Fachkonferenz

„Gemeinsam für gute KiTa – Das GUTE KITA GESETZ in der Praxis“

Am 22. November 2019 hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zur Fachkonferenz „Gemeinsam für gute KiTa – Das GUTE KITA GESETZ in der Praxis“ auf dem EUREF-Campus in Berlin eingeladen.

Bund und Länder gehen mit dem GUTE KITA GESETZ einen neuen Weg – gemeinsam arbeiten sie Hand in Hand an mehr Qualität und weniger Gebühren. Dabei unterstützt der Bund die Länder bis 2022 mit insgesamt 5,5 Milliarden Euro.

Jedes Land entwickelt mit dem GUTE KITA GESETZ die Kindertagesbetreuung mit den Maßnahmen weiter, die am besten zur Situation vor Ort passen, und schließt darüber einen Vertrag mit dem Bund. Nachdem alle 16 Bund-Länder-Verträge unterzeichnet und damit die Voraussetzungen für die Auszahlung der GUTE KITA-Mittel erfüllt wurden, konnte auf der Fachkonferenz der Startschuss für die Umsetzung des GUTE KITA GESETZES gegeben werden.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Helmut Holter, Minister für Bildung, Jugend und Sport des Freistaates Thüringen und Vorsitzender der Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder, begrüßten die rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachkonferenz.

Franziska Giffey:

Frühkindliche Bildung ist eine nationale Zukunftsaufgabe. Darum sind wir alle in der Pflicht, die Kommunen, die Länder und der Bund. Es ist nun Aufgabe der Länder die 5,5 Milliarden Euro bis 2022 gut umzusetzen. Das ist das beste Argument dafür, dass das Geld gut investiert ist. Wir haben im Kabinett am 10. Juli 2019 beschlossen, dass der Bund für die Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung auch über 2022 hinaus seine Verantwortung wahrnehmen wird.

Helmut Holter:

Es ist gut und wichtig, dass mit jedem Land einzelne Vereinbarungen geschlossen wurden. Nur so können wir auf dem Erreichten aufbauen. Eine nachhaltige Umsetzung des GUTE KITA GESETZES kann allerdings nur gelingen, wenn der Bund die notwendigen Gelder über das Jahr 2022 hinaus dauerhaft für die begonnenen Maßnahmen zur Verfügung stellt.

Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Vormittag darüber informieren, mit welchen Maßnahmen das GUTE KITA GESETZ in den einzelnen Ländern umgesetzt wird, und dazu in den Austausch treten. Zum Nachmittagsprogramm wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von den Kindern der Berliner Kita „Sonnerschein“ begrüßt, die in einem Film erklärten, was eine gute Kita ausmacht.

[Zu sehen ist ein Holzladen mit mehreren Kinderspielzeugen. Es kommen kleine, bunte Holzbuchstaben ins Bild, die die Worte „Gut ist KiTa“ formen.

Mehrere Kindergartenkinder sind nun nach und nach hinter dem Holzladen zu sehen und werden dort interviewt.]

KiTa-Mädchen

Herzlich willkommen, schön dass ihr da seid.

 

[Einblendung: Bedarfsgerechte Angebote.]

KiTa-Kinder

Bedarfsgerechte Angebote. Weil die Kinder können nicht alleine zuhause bleiben, sonst müssen die ja irgendwo hingehen. Ich muss immer in die Kita damit meine Mama und mein Papa arbeiten gehen können. Arbeiten – ja! Arbeiten! Damit sie auch Geld verdienen können für mein Spielzeug.

 

[Einblendung: Guter Betreuungsschlüssel.

Ein KiTa-Junge baut einen Turm aus Holzklötzen auf einem Spielzeugkrokodil.]

KiTa-Junge

Wenn ich zwei Steine wegnehme, dann fällt das auseinander.

 

[Einblendung: Qualifizierte Fachkräfte]

KiTa-Kinder

Qualifizierte Fachkräfte (Quallibizierte Krafthefte). Weil wir Erzieher haben, und wir sie mögen. Damit wir hier lernen können! Wenn es keine Erzieherinnen gibt, dann sind wir traurig.

 

[Einblendung: Starke Kitaleitung ]

KiTa-Kinder

Starke Kitaleitung. Unten im Büro, da arbeitet sie. Janine ist die Kitaleitung – Ja! Janin führt alle hier herum, die neu sind, dann kann sich keiner verlaufen.

 

[Einblendung: Kindgerechte Räume]

KiTa-Kinder

Kindgerechte Räume. Ich kann Karate und Sport machen! Tanzen! Klettern! Da gibt es ja auch den Garten. Wir haben schon sehr tief gebuddelt.

 

[Einblendung: Gesundes Aufwachsen]

KiTa-Kinder

Gesundes Aufwachsen. Damit man groß und stark wird. Obst und Gemüse –

[Ein KiTa-Mädchen hält der Kamera ein Holzspielzeugbrot entgegen.]

KiTa-Mädchen

Brot auch. Wenn wir jetzt den Toaster anschalten, dann verhungern wir nicht.

 

[Einblendung: Sprachliche Bildung.]

KiTa-Kinder

Sprachliche Bildung. Wozu ist Reden wichtig? Damit man sagen kann, was man machen möchte. Die Zähne helfen uns dabei, zu sprechen.

 

[Einblendung: Starke Kindertagespflege.]

KiTa-Kinder

Starke Kindertagespflege. Wir mögen sie sehr gerne, und wir können mir ihnen kuscheln. Dass wir so zusammen eine Familie sind.

 

[Einblendung: Netzwerk für mehr Qualität.]

KiTa-Kinder

Netzwerk für mehr Qualität. Frida kann mithelfen oder Thaila, Bella, Felix, Jasmin – die ist unsere Kleinste. Ich brauche seine Hilfe, und dann braucht er Hilfe, und das verbindet dann Freundschaft.

 

[Einblendung: Vielfältige pädagogische Arbeit.]

KiTa-Junge

Vielfältige pädagogische Arbeit.

[Zwei KiTa-Jungs und zwei KiTa-Mädchen bauen jeweils zusammen an einem Holzhaus, in dessen unterschiedlich geformte Fenster man Bauklötze in der jeweils richtigen Form stecken muss.]

KiTa-Kinder

Das ist das Dreieck, und das ist das Viereck. Weil das nicht die gleiche Form hat, und der Kreis nicht Ecken hat.

 

[Einblendung: Weniger Gebühren.

Die Kinder spielen mit einer Holzkasse.]

KiTa-Kinder

Weniger Gebühren. Kasse ist leer. Jedes Kind sollte ohne Geld in die Kita gehen. Alles andere wäre unfair.

Zum Abschluss fasste Poetry Slammer Lars Ruppel den Tag mit einem sogenannten Poetic Recording  zusammen.

Lars Ruppel - Poetry Slam

Da stehen 2154 Wörter auf Papier,
Helvetica neu, Schriftgröße 11, DIN A4.
Fünf Artikel, die in den Schlusssatz münden:
Das vorstehende Gesetz wird hiermit ausgefertigt,
es ist im Bundesgesetzblatt zu verkünden.


Und unter dem eben beschriebenen Satz stehen Namen.
Und um sie herum ist der Platz, auf dem man mit Stiften Unterschriften aufschreibt.
Und dadurch dem Papier ein Leben verleiht,
das durch jede Unterschrift neue Stärke erhält.
Das alles für die wichtigsten Menschen der Welt.
Das Gesetz, das nun endlich zu blühen beginnt:
für eine gute Betreuung, für jedes einzelne Kind.


Zwischen Donau, Elbe, Rhein, Main oder Spree.
Zwischen Kita im Trendkiez oder idyllisch am See.
Mit Blick auf die Frauenkirche oder im Schatten der Skyline.
Ob zu Fuß auf Achse oder im Rollstuhl dabei sein.
Zwischen Hautfarbtonspektren und Lebenslauflinien,
zwischen den Modellen der verschiedensten Familien.
Ob mit ICE oder nur mit Traktor erreichbar,
keine Kita in Deutschland ist mit der andren vergleichbar.
So viele Geschichten von so vielen Kids.
Nur eines ist gleich: ihre Chancen. Sonst nix.


Da sind so viele Menschen und so viele Orte,
und überall hört man die 2154 Worte.
Sie verlassen das Papier und gehen auf die Reise,
und wirken überall auf verschiedenste Weise.


Worte, so geschrieben, dass sie gesteckte Ziele erreichen.
Worte aus 11 verschiedenen Handlungsbereichen.
Manche Worte werden Aus- oder Fortbildungszeit
und machen die Fachkräfte für die Zukunft bereit.
Es gibt Worte, die schmecken. Worte, die sich bewegen.
Worte, die andere Worte zum Wachsen anregen.


Manche stehen früh auf oder bleiben bis spät,
weil Mama früh arbeiten ging oder Papa spät arbeiten geht.
Vielfältige Worte für mehr Vielfalt geschrieben,
diese Worte sind nicht einfach Worte geblieben.
Dann gibt es noch Worte, die die Leitungen stärken.
Worte, deren Wirken wir täglich bemerken.
Worte für die Kleinsten in Tagesväter- und -mütterhänden.
Diese Worte kann man vielfältig für alle verwenden.


Mal wird ein höherer Betreuungsschlüssel aus ihnen gegossen.
Die gesündesten werden zum Mittag genossen.
Worte, die Netzwerke bilden, um gemeinsam zu handeln.
Worte, die Räume in Spielplätze verwandeln.
Worte, die wuchsen, damit Kinder wachsen dürfen.
Worte, die nach weiteren Wortschätzen schürfen.
Worte, die Menschen für diese Arbeit begeistern.
Worte, um die Hürden der Zukunft zu meistern.
Die richtigen Worte, zur richtigen Zeit,
diesen Weg läuft man am leichtesten gebührenbefreit.


Denn die Worte entlasten die, die Entlastung brauchen.
Worte, die den Kitas neues Leben einhauchen.
Worte, die nicht im Gesetzbuch verbleiben.
Worte, geschrieben um Geschichte zu schreiben.
Worte, die sich nun in Taten verwandeln.
Worte, um zum Wohle der Kinder zu handeln.


Worte, in 16 Verträgen verfasst,
damit in 16 Bundesländern jedes einzelne Wort passt.
5,5 milliardenstarke Buchstabenreihen,
die den Kitas in Deutschland Flügel verleihen.
Tatsachenworte, Qualitätsentwicklungsdichtung
vom gemeinsamen Schritt in eine gemeinsame Richtung.
Damit es jedes Kind packt, genau darum sind sie hier.
So steht es geschrieben – als Gesetz auf Papier.

Lars Ruppel - Poetic Recording

Die Spannung im Raum konnte man körperlich spüren.
Hände, die nervös in Kaffeetassen rühren,
Finger, die Laugengebäckteilchen hielten,
Augen, die ständig auf die Werkstatttür schielten.


Lilo Lausch war ganz freudig erregt und lauschte,
wie man zuhörte, sich verband, Worte austauschte.
Wiedersehen, Kennenlernen, Fachdiskussionen.
Wann geht die Tür auf? Wann gibt’s die Millionen?


Und dann war‘s an der Zeit, die Tore machten weit.
Die Tinte ist trocken – jetzt ist es so weit!
Dann saßen wir da, das Bühnenlicht schien.
Doch wir saßen dort falsch,
also noch mal umziehen.


Und dann ging es los – Frau Giffey legte los.
Die Euphorie nicht nur zwischen den Zeilen war groß,
weil sie ohne Atempause freestylen kann.
Wortenergie, die mit jedem Grad an Stärke gewann.


Ein Beispiel für Optimismus mit beispiellosem Projekt,
16 Bundesländer mit einem Ziel, das Begeisterung weckt.
Damit ein ganzes Land Loblieder singt,
so schön, dass man sogar Olaf Scholz dazu bringt
Zettel und Stift rauszuholen und zu schreiben,
dass das nicht einmalig war – das wird jetzt so bleiben.


Auch wenn alle Kritiker zu überzeugen wahrscheinlich nie glückt,
das, was wir jetzt haben, wird erst mal verfrühstückt.


Das Essen genießen, nicht alles verschlingen,
damit gleichwertige Lebensverhältnisse gelingen.
16 Wege, aber die eine Idee.
16 Bundesländer vereint am Buffet,
weil’s sich mit Spätzle im Mund einfach viel besser spricht.
Aber satt waren wir immer noch nicht.


Dann ertönte der Gong, damit jedes Trommelfell bricht,
aber satt waren wir immer noch nicht.
Dann kam die Weisheit der Kinder ans Licht,
aber satt waren wir immer noch nicht.
Denn gute Kita verbindet Freundschaft, die niemals zerbricht,
aber satt waren wir immer noch nicht.


Dann kam Frau Kugers Vortrag von wissenschaftlichem Gewicht,
aber satt waren wir immer noch nicht.
Sie fütterte uns mit der Frucht der Erkenntnis,
gesammelte Daten zum großen Verständnis.
Was war? Was ist? Und was wird passieren?
Wie kann man das Gesetz sinnvoll evaluieren?
Was passiert wirklich im Alltag, im Feld?
Was bewirkt das ab jetzt verfügbare Geld?
Und was sagen die Kinder ohne traurige Smilies?
Auch, wenn die Methodik da noch nicht so ganz geil ist.
Um Schlüsse zu ziehen, wie der Weg weitergeht.
Egal, was auf dem Zettel von Olaf Scholz steht.
Auch wenn alle klatschen, als Frau Kuger versprach,
dass nicht so viel Geld im Monitoring hängen bleiben soll.


Danach kam das erste Gute-Kita-Gedicht,
aber satt waren wir immer noch nicht.
Dann stimmten wir über grundlegende Fragen ab,
aber nicht einer im Raum wurde davon satt.


Dann die glorreichen Sieben zur Fachdiskussion,
jedes einzelne Statement eine Revolution.
Und konnte man auch nicht alle Moderationskarten lesen,
die Verstetigung der Förderung ist für alle wichtig gewesen.
Gleiche Standards, gleiche Bedingungen, so sieht Gerechtigkeit aus!
Kritische Worte, Zwischenapplaus,
starke Apelle an Landesfürsten und -fürstinnen.
Anerkennung und Fachkräfte für sich gewinnen.


Dank vier Gläsern Weinschorle flogen die Worte,
der leidenschaftlichen oder auch pessimistischen Sorte:
Quereinstieg, Multiprofessionalität, verdächtig oft Nicken,
eifriges Fragen-In-Smartphones-Eintippen.
Gemurmel, wenn jemand das Wort „Schließtage“ sagt
oder die Art der Verwendung der Gelder beklagt.
Auf der Leinwand das Wort „Dequalifikation“,
Entsetzen über den Verlauf der Diskussion.


Das ist halt nicht nur ein Job,
Kita wird wirklich gelebt,
obwohl Olaf Scholz über uns allen schwebt.
Und egal, wo die Demos der Eltern stattfinden,
man muss die Stärken aller Länder miteinander verbinden.
Denn das Beste für die Kinder bleibt das einzige Ziel.
Es ist viel passiert, es passiert gerade viel.
Es wird viel passiert sein, das ist das Schöne dabei.
Egal ob Präteritum, Präsens, Futur 1 oder 2,
der Weg hat begonnen, etwas bewegt sich.
So entsteht Energie und die überträgt sich.
Also denken Sie daran, wenn Sie Zweifel plagen:
Was würde Franziska Giffey jetzt dazu sagen?


Die Fachkonferenz ging zu Ende, doch nicht das Gesetz.
Das geht jetzt gerade erst los und dieser Weg beginnt jetzt.